Das wesentliche Merkmal sorbischer Volkszugehörigkeit und Identität ist die angewandte sorbische Sprache. Mittlerweile sind alle Sorben zweisprachig, sie sprechen sorbisch und deutsch. Der Vorteil der Zweisprachigkeit der Sorben wird eigenartigerweise zum Nachteil, wenn der Zweisprachler durch seine Umgebung mehr oder minder höflich dazu aufgefordert wird, die Sprache anzuwenden, die nicht seine Muttersprache ist. Damit gibt er zugleich seine Muttersprache auf. Da niemand gezwungen werden kann, die sorbische Sprache zu erlernen, ist es Aufgabe aller für sorbische Angelegenheiten Verantwortlichen, immer wieder für die Wertschätzung, die Anwendung und für das Erlernen der sorbischen Sprache sowie die Vorteile der Zweisprachigkeit zu werben. Ziel ist es dabei, dass möglichst viele Bürger des sorbischen Siedlungsgebietes, insbesondere Kinder und Jugendliche, zweisprachig aufwachsen oder die sorbische Sprache passiv beherrschen. Im Freistaat Sachsen gibt es verschiedene Regionen im sorbischen Siedlungsgebiet, in denen die sorbische Sprache in unterschiedlichem Maße zum Alltag gehört. Zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda wird in verschiedenen Orten die sorbische Sprache als Muttersprache an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Dadurch ist sie in allen Altersstufen im privaten und öffentlichen Leben, in den Kirchen, Kindereinrichtungen und Schulen, lebendig. Diese Bereiche sorbischer Sprachanwendung sollen bewahrt und möglichst ausgeweitet werden. Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass in den Familien sorbisch gesprochen wird. Gleichwohl besteht auch dort die Gefahr des Zurückdrängens der sorbischen Sprache. In der heutigen Zeit, die durch Medien in einer so vielfältigen Weise geprägt ist, werden die Kinder von früher Jugend an mit der deutschen Sprache konfrontiert, eher selten mit der sorbischen Sprache. In der Mittellausitz (um Hoyerswerda und Schleife) wird die sorbische Sprache kaum noch in den Familien weiter gegeben. Dort ist Sorbisch für die meisten Kinder keine Muttersprache.