Schleife
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Ortsgeschichte
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Das Dorf Schleife liegt westlich von Weißwasser, unmittelbar an der Grenze zum Land Brandenburg. Der Ort wird vom Flüsschen Struga durchquert. Südlich des Dorfes verläuft die Eisenbahnstrecke Berlin-Görlitz.
1272 ist Schleife erstmals im Zusammenhang eines Rechts- und Zehntstreites zwischen dem Meißner Bischof Withego I. und Markgraf Johann v. Brandenburg urkundlich erwähnt. Es handelt sich um zwei lateinisch abgefasste Dokumente mit den Angaben "circa villam Slepe" bzw. "circa villam Zlepe". In der Übersetzung der bischöflichen Urkunde lautet der betreffende Abschnitt wie folgt: "Über die Zehnt Abgaben für die bebauten Äcker um das Dorf Schleife herum ist zwischen uns und dem Markgrafen selbst folgendes Abkommen getroffen worden, dass jedes Gehöft zur Zeit der Schätzung uns und unserer Kirche in Budissin an Geld drei Dinaren im Namen der Zehnten geben soll."
Die Schleifer Kirche gilt als ältestes Bauwerk im Ort. Der aus Feldsteinen errichtete Altarraum stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. Darauf verweisen auch Elemente der Spätgotik.
Zum Kirchspiel gehören Schleife, Halbendorf, Rohne, Mulkwitz, Mühlrose, Trebendorf, Groß Düben und Lieskau. Dem Meißener Bistumsmatrikel von 1495 zufolge unterstand die Kirche der Propstei Bautzen. Sie wurde vermutlich 1564 unter Pfarrer Anton Fuchs evangelisch.
Bauliche Veränderungen an der Kirche erfolgten im 17.Jahrhundert, wie die Jahreszahl 1685 am südseitigen Kirchenschiff belegt. Die Kirche wurde 1859 innen und außen renoviert und erhielt eine Orgel. Eine weitere Innenrenovierung erfolgte 1923. Diese Arbeiten unterstützte der Kunstmaler William Krause aus Dresden. Im April 1945 wurde die Kirche durch Beschuss schwer beschädigt.
Nach einer Instandsetzung konnte sie ab dem 27.Oktober 1946 wieder genutzt werden. Das hölzerne Kruzifix für den Altar schuf 1948 die Bildhauerin Dorothea v. Philipsborn. Bei der Innenrenovierung 1962/63 konnten spätmittelalterliche und barocke Freskenfragmente freigelegt werden.
Weitere Arbeiten fanden 1992 bis 1994 an der Kirche im Innen- und Außenbereich statt.
Der die Kirche umgebende Friedhof wurde bis 1862 genutzt. Seitdem hat jede Gemeinde ihren eigenen Begräbnisplatz. Am Kirchhofeingang stand bis 1945 der so genannte Pritwark (Anbau) mit einem Halseisen an der Innenseite, der früheren Rechtsprechung dienend. Am Kirchturm stehen zwei Steinkreuze. Am ursprünglichen Standort sollen es drei gewesen sein, woran sich auch einige Sagen knüpfen. Das neue Pfarrhaus wurde 1894 errichtet und im Herbst des gleichen Jahres bezogen. Die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude stammen von 1849. Sie wurden in den Jahren 2000/2001 vollständig restauriert.
Die Schule in Schleife gründete 1730 der Muskauer Standesherr und Kirchenpatron Alexander v. Callenberg. Im Ort wurde 1844 an der Dorfstraße ein neues Küster- und Schulgebäude gebaut. Darin unterrichtete man die Kinder der gesamten Parochie. Nur in Neustadt und Mühlrose gab es Kleinkinderschulen. Die Schleifer Schule wurde im Jahr 1860 von 202 Schülern besucht, aufgeteilt in eine Ober-, Mittel- und Unterklasse. Ein nötiger Erweiterungsbau des Schulgebäudes erfolgte 1865. Im Jahr 1918 unterrichtete man in vier Klassenräumen 222 schulpflichtige Kinder. Der geplante Schulneubau zog sich noch 10 Jahre hin. Mit seiner Fertigstellung am 3. November 1929 erfolgte die amtliche Trennung von Schule und Kirche.
Im August 1945 wurde der seit Februar ruhende Unterrichtsbetrieb durch Pfarrer Heinrich Trompke und dem aus Schlesien stammenden Lehrer Paul Triebs wieder aufgenommen. Um den Mangel an Klassenräumen zu beheben, wurde 1961 am Rande des Schulgartens ein provisorischer Flachbau mit vier Klassenzimmern errichtet. Am 30. April 1969 wurde der Grundstein zum Bau einer neuen 10-klassigen polytechnischen Oberschule gelegt. Deren erster Bauabschnitt wurde am 4. März 1971, der zweite am 9. November 1972 übergeben. Damit hatte die Schule eine Kapazität für 650 bis 720 Kinder. Am 10. Dezember 1977 konnte die neue Schulsporthalle eingeweiht werden. Mit der Einführung des neuen Schulsystems in Sachsen 1992 hat Schleife wieder eine Grund- und Oberschule.
Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Berlin-Görlitz im Jahr 1867 und der Errichtung einer Bahnstation in Schleife erhielt der Ort eine vorteilhafte Verkehrsanbindung.
Dem folgten 1881 die Einrichtung einer Poststation, 1888 ein Warteraum für Reisende und 1892 eine Station für den Güterverkehr.
1914 erwarb die Gemeinde von der Standesherrschaft Muskau das Gelände zwischen der Struga und der Bahnlinie, um es an interessierte Ansiedler weiterzuveräußern. Im Jahr 1920 erwarb die Gemeinde nochmals 150 Morgen Wald südlich der Bahnlinie. Dort entstanden erneut 88 Parzellen . Daraufhin entwickelte sich dort eine rege Bautätigkeit mit einer wesentlichen Dorferweiterung. Nach dem Ersten Weltkrieg und mit dem Entstehen einer Reihe von Handwerksbetrieben verbesserte sich deutlich die Infrastruktur. Nach 1920 wurde für den Ort die Stromversorgung fertig gestellt. Auch eine Freiwillige Feuerwehr wurde 1925 gegründet.
In den Jahren 1934 bis 1936 entstand in Schleife die Luft-Hauptmunitionsanstalt Weißwasser (Muna), in der man während des Zweiten Weltkrieges Granaten für die deutsche Luftwaffe produzierte. Die Anlagen der Anstalt sprengte man nach Kriegsende. Später richtete die Sowjetarmee auf dem Gelände ein Tanklager ein. Die letzten Offiziere der GUS verließen das Lager am 11. März 1993 und das Bundesvermögensamt übernahm die Liegenschaft. Im März 1998 wurden das Gelände und die darauf befindlichen Altlasten der Gemeinde übereignet und entsorgt. Im ehemaligen Muna-Wohngebiet, das mit der Anstalt errichtet worden war, wurde nach Kriesgende eine Polizei- und später eine Verwaltungsschule eingerichtet. Nach der Wiedervereinigung nahm hier 1992 die erste Zivildienstschule in den neuen Bundesländern den Betrieb auf. Seit dem 01.07.2011 nimmt das Bildungszentrum Schleife Bildungsaufgaben für Freiwillige wahr.
Durch die Kampfhandlungen um den 17. und 18. April 1945 wurde Schleife schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende stieg die Zahl der Einwohner durch die Vertriebenen aus Schlesien merklich an. Es dauerte gut zehn Jahre, bis die letzten Spuren des Krieges im Ort beseitigt waren. 1959 begann der Bau der Häuser in der Glückauf-Siedlung, denen 1965 noch zwei neue Wohnblöcke und 1975 ein weiterer am Jahnring folgte.
Durch den Aufschluss des Tagebaues "Trebendorfer Felder" und der damit verbundenen Grundwasserabsenkung kam es zu Problemen in der Wasserversorgung. Die Brunnen versiegten und der Ort musste mittels Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden. Um das Problem zu lösen, wurde 1962 mit dem Bau des Wasserwerkes und der Hausanschlüsse begonnen. Die Anlage ging 1964 in Betrieb.
Im März 1960 erfolgte im Ort die Kollektivierung der Landwirtschaft. Mit der Gründung und Entwicklung der LPG, deren Weg zur Industrialisierung und der damit verbundenen großflächigen Flurbereinigung, wurden Natur und Umwelt schwer belastet. Für die Anlage von Verregnungsgebieten für die Abwässer der Stadt Weißwasser wurden Waldflächen abgeholzt und Baumgruppen beseitigt. Besonders augenscheinlich war dies im Bereich Schleife - Groß Düben - Halbendorf. Als Gegenmaßnahme wurde das alte Schleifer Teichgebiet (Groß- und Kleinteich) im Sommer 1981 zum Naturschutzgebiet erklärt.
Nach der politischen Wende 1989/90 kam es zu zahlreichen Neugründungen von Betrieben und Geschäften, während ehemals volkseigene Betriebe ihre Produktion einstellten. In Schleife entstanden ein Gewerbegebiet und ein Bebauungsgebiet. Die "Trebendorfer Felder" wurden bereits nach 1980 zum Naherholungsgebiet ausgebaut. Im gesamten Ort gab es Maßnahmen zur Neugestaltung. Großzügige Modernisierungen erfuhren in den Jahren 1996/97 der Campingplatz mit FKK-Strand sowie die Parkplätze.
Das gesellschaftliche Leben gestalten heute neben dem Sorbischen Kulturzentrum vor allem die örtlichen Vereine und die Freiwillige Feuerwehr.
Seit 1995 bzw. 1996 gehören zur Gemeinde Schleife auch die Gemeindeteile Mulkwitz und Rohne. Die Verwaltungsgemeinschaft Schleife mit Groß Düben und Trebendorf besteht seit dem 1. Januar 1999.

 

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